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Reichstag Berlin
Das Reichstagsgebäude spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte Berlins und Deutschlands. Am 18. Januar 1871 wurde Berlin zur Hauptstadt des Deutschen Reiches ernannt. Das Parlament brauchte ein größeres und repräsentatives Gebäude. So wurde es nach Plänen von Paul Wallot 1884-94 im Stil der italienischen Hochrenaissance entworfen und in schlesischen Sandstein aufgeführt. Zuerst mußte aber das ehemalige Palais des Fürsten Raczynski abgetragen werden. So entstand nachher ein 137 m langer und 97 m breiter Bau mit vier Ecktürmen. Die Türme sind 46 m, der Kuppelspitze ist 75 m hoch. Der Kuppel des Plenarsaales aus Glas war eine Besonderheit. Der Inschrift "Dem Deutschen Volke" wurde erst während des Ersten Weltkriegs 1916 angebracht, weil Kaiser Wilhelm II. ihn für viel zu demokratisch hielt. Er setzte durch, daß die Kuppel des Reichstages niedriger blieb als die des Berliner Schlosses. Am 9. November 1918 rief Philipp Scheidemann aus einem Fenster des Reichstages die Weimarer Republik aus. Fünfzehn Jahre später am 27. Februar 1933 brannte das Bauwerk nieder und damit auch die Demokratie Deutschlands. Der Propagandachef des Nationalsozialisten Joseph Goebbels betrachtete es als "Geschenk des Himmels". Als Täter stellte sich der 24 Jahre alte Holländer Marinusvan der Lubbe heraus, weil er ein kommunistisches Flugblatt bei sich hatte. Der Reichstagsbrand verhalf die Nazis endgültig zur Macht. Hitler setzte sein Ermächtigungsgesetz durch und damit den Weg zur Alleinherrschaft der Nazis frei. Sofort begann die Jagd auf politische Gegner, innerhalb einen Tag wurden Tausende Personen festgenommen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt und in der Nachkriegszeit nach Plänen von Paul Baumgarten ohne Kuppel wiederhergestellt. Der Wiederaufbau erfolgte zwischen 1961 und 1972. Das Gebäude konnte pünktlich zum100. Jahrestag der Gründung des Deutschen Reichs eröffnet werden. Nach 1972 waren aufgrund des Viermächteabkommens Sitzungen des Bundestages in dem Gebäude nicht mehr erlaubt. Erst die Wiedervereinigung, die am 3. Oktober 1990 statt fand, ermöglichte am 20.12. 1990 im Plenarsaal des Reichstages die Konstituierende Sitzung des 1. Bundestages.
Nach dem Beschluß des Deutschen Bundestages vom 20. Juni 1991, daß das Parlament in die Hauptstadt Berlin umziehen wird, wurde ein Architektenwettbewerb 1992 zum Umbau des Reichstagsgebäudes ausgeschrieben. 800 Architekten aus 54 Ländern nahmen an dem Wettbewerb teil. 1993 bekamen 3 Architekten den ersten Preis: Sir Norman Foster (England), Santiago Calatrava (Schweiz), Pi de Bruijn (Niederlande). Schließlich entschied sich der Jury für Sir Norman Foster, der der Jury fünfzig verschiedenen Kuppelvarianten vorschlug. Überzeugt wurde sie von der neuen Glaskuppel. Foster hat zwar ein modernes Parlament geschaffen, respektierte aber gleichzeitig die Geschichte des Gebäudes. Die begehbare Glaskuppel soll den Neuanfang symbolisieren. Der Reichstag wurde im inneren gründlich umgebaut, wurden nur die Außenwände erhalten. Heute darf die Glaskuppel auch während der Bundestagssitzungen besucht werden.