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Gedenkstätten in Berlin
Zuchthaus BrandenburgDie Strafanstalt Brandenburg-Görden wurde zwischen 1927 und 1935 errichtet. Die für circa 1800 Gefangene errichtete Musteranstalt des "humanen Strafvollzuges" wurde nach der Machtübernahme durch Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 zum Instrument für die Verfolgung von Andersdenkenden und politischen Gegnern. Hier waren in erster Linie kriminelle und politische Häftlinge, die zu langjähriger oder zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt waren, zum Tode Verurteilte oder Kriegs- und Untersuchungsgefangene. Der Anteil der politischen Gefangenen stieg in den Kriegsjahren auf bis 60% an. Im Jahre 1940 wurde Im Zuchthaus Brandenburg-Görden wurden zwischen 1940 und 1945 durch die NS-Justiz rund 1800 Gegner des Regimes hingerichtet. Der Gebäudetrakt, in dem sich die Hinrichtungsstätte befanden, beherbergt seit 1975 eine Gedenkstätte, aus der 1992 die Dokumentationsstelle Brandenburg hervorgegangen ist. Sie betreut die Gedenkräume, pflegt und erweitert das Archiv und die Sa mmlungen und führt pädagogische Projekte mit Schülern und Jugendlichen durch.
Das Zuchthaus Brandenburg 1933 bis 1945
Die für ca. 1800 Gefangene geplante Strafanstalt Brandenburg-Görden wurde zwischen 1927 und 1935 errichtet. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wurde die als Musteranstalt des "humanen Strafvollzuges" konzipierte Strafanstalt zum Instrument für die Verfolgung von politischen Gegnern, Andersdenkenden und sonstigen missliebigen Personen. Im Zuchthaus Brandenburg waren in erster Linie kriminelle und politische Häftlinge, die zu langjähriger oder lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt waren, zum Tode Verurteilte, "Sicherungsverwahrte", Untersuchungsgefangene und Kriegsgefangene inhaftiert. War in den ersten Jahren der Anteil der politischen Gefangenen noch relativ gering, so stieg er in den Kriegsjahren auf bis zu 60 Prozent an. Die Errichtung einer Hinrichtungsstätte im Jahre 1940 steht ebenfalls im Zusammenhang mit einer kriegsbedingten Verschärfung des nationalsozialistischen Terrors gegen Widerständigkeit und Verweigerung in der eigenen Bevölkerung. Ab Ende 1942 wurden alle "Sicherungsverwahrten", Juden, Sinti und Roma, Russen und Ukrainer in Konzentrationslager überstellt. Am 27. April 1945 befreiten sowjetische Truppen das Zuchthaus Brandenburg-Görden, das zu diesem Zeitpunkt mit ca. 3600 Häftlinge belegt war. Aus den Todeszellen konnten rund 180 Häftlinge befreit werden.
Hinrichtungsstätte
1940 wurde das Zuchthaus Brandenburg-Görden auch Hinrichtungsstätte. In einem bis dahin als Garage genutzten Bereich wurden ein Fallbeil und eine Vorrichtung zur Hinrichtung durch Erhängen installiert. Vom 1. August 1940 bis zum 20. April 1945 wurden im Zuchthaus Brandenburg-Görden 2743 Menschen hingerichtet. Darunter befanden sich 1722 Menschen, die aus politischen Gründen zum Tode verurteilt worden waren. Die meisten Todesurteile verhängten Sondergerichte oder der "Volksgerichtshof" auf der Basis von Gesetzestexten, die einen weiten Interpretationsspielraum ließen.
So heißt es in den Justizakten zur Begründung des Todesurteils über den 72jährigen Hugo Härtig aus Berlin-Kaulsdorf, der 1944 in Brandenburg hingerichtet wurde: "Der VU (Verurteilte), der von jeher marxistisch gesinnt war und sich 2 Jahre lang durch ständiges Hören von Feindsendern vergiftet hat, hat im 5. Kriegsjahr einen unterirdisch lebenden Kommunisten dreimal illegales Quartier verschafft und auch Flugblätter (...) weitergegeben."
Unter den Hinrichtungsopfern waren politische Häftlinge aus fast allen Ländern Europas. Neben vielen Deutschen starben in Brandenburg-Görden Tschechen, Slowaken, Polen, Österreicher, Belgier, Franzosen, Bürger aus den Staaten der ehemaligen UdSSR, Niederländer, Jugoslawen, Italiener, Norweger, Schweden, Luxemburger, Spanier, Ungarn und Briten. Unter ihnen waren fast alle sozialen und weltanschaulichen Gruppen vertreten: Kommunisten, Sozialdemokraten, Konservative, Liberale, Geistliche, Unternehmer, Intellektuelle, Studenten, Juristen, Arbeiter, Angestellte, Landwirte, Angehörige der Wehrmacht, Ärzte und Lehrer. Unter den Opfern befanden sich auch 16 Männer, die im Zusammenhang mit dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 hingerichtet wurden, sowie über 100 Bibelforscher (Zeugen Jehovas), die meistens wegen Verweigerung des Wehrdienstes mit dem Tode bestraft wurden. Das jüngste Opfer war der Franzose Henri Delst, der im Alter von 15 Jahren unter dem Fallbeil starb. Das älteste Opfer war der 72jährige Deutsche Georg Herzberg.
Zuchthaus Brandenburg nach 1945
1945 bis 1947 nutzten die sowjetischen Militärbehörden und der sowjetische Geheimdienst NKWD das Zuchthaus Brandenburg-Görden zur Internierung von Kollaborateuren (hauptsächlich Angehörige der Wlassow-Armee) und als Untersuchungsgefängnis des NKWD sowie des in Brandenburg tätigen sowjetischen Militärtribunals.
1949/50 nahm die Regierung der DDR die Einrichtung wieder für den Strafvollzug in Betrieb. Neben vielen kriminellen Häftlingen wurden hier auch NS-Täter und Kriegsverbrecher, aber auch zahlreiche Regimegegner, Teilnehmer des Aufstandes vom 17. Juni 1953, gescheiterte "Republikflüchtlinge", Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Ausreisewillige und Bürgerrechtler inhaftiert. Das Zuchthaus Brandenburg galt als eine der gefürchtetsten Haftanstalten in der DDR.
1990 wurde die Anlage durch das Justizministerium des Landes Brandenburg übernommen. In den nächsten Jahren soll die Justizvollzugsanstalt Brandenburg umfassend modernisiert und erweitert werden.
Mahnen und Gedenken
1975 wurde in den Räumen der ehemaligen NS-Hinrichtungsstätte eine Gedenkstätte eröffnet. Der Hinrichtungsraum wurde originalgetreu rekonstruiert. Bei der in der Gedenkstätte gezeigten Guillotine handelt es sich um ein originales Fallbeil aus der NS-Zeit. Das tatsächlich in Brandenburg verwendete Fallbeil befindet sich im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Am 1.1.1988 gründete das Ministerium für Kultur der DDR die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Brandenburg mit der Aufgabe, ein "Museum des antifaschistischen Widerstandskampfes" zu errichten, in dem der "Widerstand der Arbeiterklasse unter der Führung der KPD" dokumentiert werden sollte. Ausschlaggebend war dabei die Tatsache, dass der damalige Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, von 1936 bis 1945 als politischer Häftling hier einsaß. Honecker hatte als führender Funktionär des Kommunistischen Jugendverbandes nach 1933 die Untergrundtätigkeit seiner Organisation geleitet. 1935 verhaftet, war er vom "Volksgerichtshof" zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Zur geplanten Eröffnung des Museums zum 50. Jahrestag der Befreiung 1995 kam es durch die politische Wende in der DDR im November 1989 nicht mehr.
1992 löste die Landesregierung Brandenburg die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Brandenburg auf. Ihr folgte die Dokumentationsstelle Brandenburg, die 1993 Bestandteil der neu gegründeten Stiftung Brandenburgische Gedenkstätte wurde.